Schirmer-Mosel Verlag München leer [HOME]
[ENGLISH SITE]

HERBST 2022

Service

Verlag

 

Editorial

Liebe Freundinnen und Freunde des guten Schirmer/Mosel-Buchs,

ich freue mich, Ihnen nachfolgend die Bücher unseres Herbstprogramms vorzustellen.

Aber werfen wir erst einmal einen Blick auf die allgemeine Lage. Sie hat sich durch den Ausbruch des Bruderkriegs zwischen Russland und der Ukraine wesentlich verschlechtert. Zur pandemischen Krise, die weder bewältigt noch besiegt ist, ist der Krieg hinzugetreten, dessen Schrecken globale Wirkung haben und dessen Ende in weiter Ferne zu liegen scheint. Alles in allem haben sich die Aussichten, erfolgreich schöne Kunstbücher in die Welt zu tragen, sehr verschlechtert, mental und materiell. Als kleine Momentaufnahme meiner psychischen Verfasstheit mag das folgende Erlebnis gelten: In der FAZ vom 6. April eröffnete das Feuilleton auf Seite 1 mit einem Interview des ukrainischen Botschafters in Berlin, Andrij Melnyk. Ich las mich sofort fest und war danach so gelähmt, dass ich beim Umblättern auf Seite 2 die schöne Rezension meines Roger Fritz-Buches von Claudius Seidl, mit einem wunderbaren Romy Schneider-Bild fast ganzseitig illustriert, völlig übersehen und überblättert habe. Nun, wenn es mir bei meinen eigenen Büchern schon so geht, wie mag es dann anderen Zeitgenossen gehen?

Ich möchte mein neues Programm, um mich von der gereizten, feindseligen Stimmung abzusetzen, die sich breitmacht, mit einer Anzeige der Bücher unseres russischen Autors Andrej Tarkovskij beginnen. Der Überblick über das Gesamtwerk dieses großen Filmemachers ist eines der schönsten und eindrucksvollsten Dokumente russischer Kunst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Studie des britischen Filmhistorikers und Schriftstellers Geoff Dyer, die ausschließlich dem Tarkovskij-Film Stalker gewidmet ist und den Titel Die Zone trägt, ist lesenswerter denn je.

Unser Programm enthält eine Fülle von sehens- und lesenswerten Neuerscheinungen. Von Wolfgang Kemp und seiner Frau Catharina Berents legen wir die historische Studie über die Photographie am Hof Napoleons III. in Paris vor, mit den Schwerpunkten auf der berühmten Contessa di Castiglione und dem großen französischen Photographen Olympe Aguado.

Das Autorenpaar Amanda Holmes und Hubertus Gassner stellt die Bauwerke und die Kunstsammlung des britischen Aristokraten Edward James vor, der als gebildeter Erbe zweier großer Vermögen der Mäzen von Salvador Dalí und Magritte wurde. Seine Spuren als Schriftsteller – er finanzierte die surrealistische Zeitung Minotaure –, seine atemberaubende Kunstsammlung und seine phantastischen Häuser in der ganzen Welt sind das Thema unseres Buches.

Mit den Selbstportraits von Picasso und den Aquarellen von Wols setzen wir unsere Meisterserie des 20. Jahrhunderts fort. Die Gedichte von Heiner Bastian, illustriert mit Aquarellen von Anselm Kiefer, setzen unsere Serie von Büchern fort, in denen sich Literatur und bildende Kunst innig verbinden. Sie hat mit Michael Krügers Studie zu den Gemälden von Segantini gerade ihren ersten Höhepunkt erreicht.

Buchkomplexe zu Marilyn Monroe, deren Todestag sich am 4. August zum 60. Mal jährt, Buchgruppen zu August Sander, Becher und Beuys ergänzen das Programm. Das Metropolitan Museum in New York eröffnet am 15. Juli eine Bernd und Hilla Becher-Ausstellung, die dann nach San Francisco weiterreist und bis zum Februar nächsten Jahres zu sehen ist. Wir feiern dieses Ereignis mit der Vorstellung unserer einzigartigen Becher-Edition sowie mit einem Band über das Becherhaus in Mudersbach bei Siegen, das Laurenz Berges photographiert hat und für das Hanns-Josef Ortheil einen Text geschrieben hat.

Last but not least offerieren wir eine Neuauflage unseres Café Lehmitz-Buchs von Anders Petersen. Unser Freund und Autor Tom Waits hat dafür ein treffliches Vorwort geschrieben, das nun die amerikanische Ausgabe dieses Höhepunkts der europäischen Dokumentarphotographie begleiten wird.

Unseren Freund und Autor, den Photohistoriker und Museumskurator Ulrich Pohlmann, werden wir mit einer Festschrift über sein Wirken an der Photosammlung des Münchner Stadtmuseums zu seinem Ausscheiden dort zum Ende dieses Jahres ehren.

Und zuletzt, in eigener Sache: Wir sind mit dem Deutschen Verlagspreis des Jahres 2022 ausgezeichnet worden. Wieder einmal hat es für den großen Preis nicht gereicht. Aber dreimal der kleine ist auch fast ein großer, zumindest was das Preisgeld anbetrifft.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen viel Vergnügen und Erfolg mit unseren neuen Büchern.

  LS-Blau

Ihr Lothar Schirmer
München, Mai 2022

 

Impressum

 

(c) Schirmer/Mosel Verlag München. Änderungen von Ladenpreis, Ausstattung und Erscheinungstermin vorbehalten.